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Erste Hilfe im Betrieb – Teil 2: Eine Auswahl an Unfallszenarien

Gerade bei Arbeitsplätzen, die per se Gefahrenpotential beinhalten, sind regelmäßig Erst-Hilfe-Schulungen für Mitarbeiter zwingend. Der arbeitsbedingte Umgang mit technischen Gerätschaften oder giftigen Stoffen birgt erhöhte Risiken. Bereits das kaputte Kabel an der Bohrmaschine oder das unsachgemäß angewendete Pflanzenschutzmittel, das in jedem Gartencenter erhältlich ist, kann schwere Folgen verursachen. Doch was tun, wenn ein Unglücksfall eintritt?

Erste Hilfe im Betrieb

Erste Hilfe im Betrieb

Elektrounfälle im Betrieb

Ein defektes Elektrogerät oder eine kaputte Steckdose können zum unkalkulierbaren Risiko werden, wenn die Gefahr nicht rechtzeitig erkannt wird. Bei Elektrounfällen ist schnelle Hilfe geboten.

Beachten Sie die folgenden Punkte:

  • Denken Sie an Ihre eigene Sicherheit. Sie dürfen keinesfalls selbst in den Stromkreis des Unfallopfers geraten.
  • Trennen Sie den Betroffenen von der Stromquelle, indem Sie das Gerät vom Strom nehmen bzw. den Hauptschutzschalter ausschalten. Ist dies nicht möglich, muss der Verletzte von der Stromquelle weggezogen werden. Fassen Sie den Betroffenen niemals mit bloßen Händen an, nutzen Sie hierfür isolierte Gegenstände (Decken, Handschuhe).
  • Überprüfen Sie Bewusstsein und Atmung des Unfallopfers und beginnen Sie gegebenenfalls mit lebensrettenden Sofortmaßnahmen.
  • Alarmieren Sie den Rettungsdienst.

Hochspannungsunfälle

Hochspannungsunfälle kommen sehr selten vor. Betroffen sind in der Regel im Hochspannungsbereich arbeitende Fachkräfte oder Unbefugte, die Sicherheitsschranken überschritten haben. Unfälle mit Hochspannung (über 1000 Volt) enden sehr oft tödlich.

Was ist zu tun?

  • Bringen Sie sich bei Rettungsversuchen im Hochspannungsbereich nicht selbst in Gefahr.
  • Halten Sie einen Sicherheitsabstand von mindestens 5 m zur Stromquelle. Bergen Sie den Verunglückten nicht selbst.
  • Alarmieren Sie den Rettungsdienst. Weisen Sie bereits am Telefon darauf hin, dass es sich um einen Hochspannungsunfall handelt.
  • Die Bergung und Versorgung des Verunglückten erfolgt ausschließlich durch die eintreffenden Rettungskräfte.

Vergiftungen

Toxische Flüssigkeiten, die in alten Getränkeflaschen lagern, versehentlich verschüttete Pflanzenschutzmittel oder ein unachtsames Reiben im Auge, nachdem man Giftpflanzen transportiert hat.

Vergiftungssymptome sind schwer zu erkennen. Eine unspezifische gesundheitliche Beeinträchtigung lässt nicht immer automatisch den Schluss zu, dass es sich um eine Vergiftung handelt. Besonders gefährdet sind Mitarbeiter, die in regelmäßigem Kontakt mit chemischen Stoffen, Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln, Giftpflanzen sowie Arzneimitteln stehen.

Woran erkenne ich eine Vergiftung?

Die Symptome einer Vergiftung ähneln vielen weiteren Erkrankungen. Auftreten können u. a.:

  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen bzw. Schwindel, Schweißausbrüche, Krämpfe sowie im Akutfall Atem- und Kreislaufstillstand

Entscheidend ist insoweit ein genaues Befragen des Betroffenen oder von Kollegen. Stand er in Kontakt mit vergiftungsauslösenden Stoffen? Wurden ggf. Sicherheitsvorkehrungen im Umgang mit Giftstoffen missachtet?

Was tun bei Vergiftungen?

Ist eine Vergiftung sehr wahrscheinlich, helfen Sie am besten, indem Sie:

1. den Betroffenen beruhigen
2. Bewusstsein und Atmung kontrollieren (bei Atemnot: Lagerung des Betroffenen mit erhöhtem Oberkörper, Frischluftzufuhr)
3. ggf. mit lebensrettenden Sofortmaßnahmen beginnen
4. den Notruf alarmieren
5. den Betroffenen warm zudecken

Denken Sie immer auch an Ihren Eigenschutz. Bei Vergiftungen, die über die Haut aufgenommen werden (Kontaktgiften), darf eine Beatmung des Betroffenen nur mit Beatmungsgerät erfolgen, der Helfende sollte zudem Schutzhandschuhe tragen. Vorsicht geboten ist insbesondere bei Vergiftungen durch Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln.

Was sollten Sie im Falle einer Vergiftung vermeiden?

Geben Sie dem Betroffenen nichts zu Trinken – es sei denn Arzt oder Giftnotrufzentrale weisen dies ausdrücklich an.

Achtung! Früher galt die Maxime, dass bei Vergiftungen Milch gereicht werden soll. Dies ist mittlerweile überholt. Milch bewirkt, dass giftige Stoffe noch schneller über den Magen in den Blutkreislauf gelangen.

Lösen Sie ohne Rücksprache mit Arzt oder Giftnotrufzentrale kein Erbrechen beim Betroffenen aus. Erbricht der Patient von allein, stützen Sie ihn und heben Sie das Erbrochene auf, um es dem Rettungsdienst zu übergeben. Eine Untersuchung bringt später bestenfalls Klarheit über die Ursache der Vergiftung.

Soforthilfe bei Verbrennungen & Verbrühungen

  • Löschen Sie eine brennende Person, indem Sie einen Feuerlöscher verwenden, sie mit Wasser übergießen oder ihr eine Decke umwerfen, um die Flammen zu ersticken. Falls keine Löschmittel zur Verfügung stehen, wälzen Sie die betroffene Person auf dem Boden.
  • Achtung! Kleine Verbrennungen dürfen kurz (etwa 2 Minuten) gekühlt werden. Bei größeren Brandflächen ist dies hingegen nicht zweckmäßig, die Gefahr einer Unterkühlung ist zu groß.
  • Die geschädigte Hautpartie sollte locker und keimarm umwickelt werden.
  • Kleidungsstücke bei Verbrühungen sofort entfernen. Agieren Sie vorsichtig bei Kleidungsstücken, die an Hauptpartien kleben. Schneiden Sie vorsichtig um die betroffene Areale und reißen Sie keinesfalls verklebte Kleider ab.
  • Wählen Sie den Notruf.

Verätzungen von Augen und Haut

 

Verätzungen der Augen

Bei Augenverätzungen ist schnelles Eingreifen wichtig, um ein Erblinden des Betroffenen zu verhindern. Verätzungen der Augen verursachen starke Schmerzen, dem Patienten wird es schwer fallen, die Augen offen zu halten. Wenn möglich, sollten daher 2 Helfer den Betroffenen erstversorgen.

Was ist bei Augenverätzungen zu tun?

Zunächst: Auge spülen. Am besten gelingt dies, wenn der Verletzte liegt. Ein Helfer hält das Auge auf, ein anderer gießt Wasser (im Notfall auch andere Flüssigkeiten, jedoch keine Milch) aus einem Gefäß von innen nach außen übers Auge. Falls im Unternehmen vorhanden, verwenden Sie spezielle Augenduschen. Achten Sie darauf, dass nichts ins gesunde Auge gelangt und benutzen Sie Schutzhandschuhe, um selbst nicht mit der ätzenden Flüssigkeit in Berührung zu kommen.
Danach bringen Sie einen keimfreien Verband an und verbinden beide Augen. Rufen Sie den Rettungsdienst.

Augennotfallstation

Erste Hilfe bei Augenverätzungen: die Augennotfallstation

 

Hautverätzungen

Starke Schmerzen verursachen ebenso Verätzungen der Haut durch Säuren und Laugen.

Achten Sie als Helfer auf ausreichenden Eigenschutz und tragen Sie Schutzhandschuhe. Versuchen Sie zunächst, mit Chemikalien getränkte Kleidungsstücke zu entfernen. Spülen Sie die geschädigten Hautpartien mit handwarmen, fließenden Wasser. Achten Sie darauf, benachbarte Hautareale nicht durch abfließendes, kontaminiertes Wasser zu schädigen. Falls kein Wasser vorhanden ist, verwenden sie Mulltupfer, um die verätzte Haut zu säubern. Verbinden Sie die Wunden keimfrei und wählen Sie den Notruf.

In der Praxis erproben möchte kein Mitarbeiter sein Erste-Hilfe-Wissen. Die wichtigste Methode, um Gefahren am Arbeitsplatz zu vermeiden, ist nach wie vor Achtsamkeit. Kontrollieren Sie regelmäßig Gerätschaften und beschriften Sie giftige Stoffe sachgemäß. Bringen Sie Sicherheits- und Rettungsschilder an.

Lesen Sie in Teil 1 unserer Serie Interessantes zu rechtlichen Fragestellungen und Grundlagen der Ersten Hilfe.

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