Tierschutz – das Hobby zum Beruf gemacht

Künstliche Behausungen für Wildvögel und Kleinsäuger

Kummer. Der Mensch greift immer mehr in die Natur ein. Bei der Sanierung von Gebäuden wird jede kleine Ritze verschlossen. Auch durch den Straßenbau und die Begradigung von Flüssen gehen Lebensräume verloren. Das hat zur Folge, dass Vögel, Kleinsäuger und Insekten kaum noch Lebensräume finden.

Naturfreundliche Hausfassade

Hausfassade mit Brutplätzen

Davon betroffen ist beispielsweise die Mehlschwalbe. Der markante Zugvogel, der auf dem Lande recht häufig anzutreffen ist, bringt seine kugelförmigen Nester am liebsten an Häuserfassaden, dicht unterm Dachvorsprung an.

In letzter Zeit finden die Mehlschwalben jedoch kaum noch Material für ihre kunstvollen Bauten. Die Tiere benötigen dafür Schlamm oder Lehm, den sie mit ihrem Speichel vermischen. Da immer mehr Straßen asphaltiert werden, gibt es kaum noch geeignetes Material und Pfützen. Weiterhin kommt es immer öfter vor, dass Nester an den zu glatt verputzten Wänden nicht halten und abstürzen.

Mit Leib und Seele dem Naturschutz verschrieben

Um die Artenvielfalt zu erhalten und neue Lebensräume zu schaffen, haben Naturfreunde künstliche Behausungen für Wildtiere entwickelt.
Schon seit ihrer Jugend engagieren sich Kathrin und Torsten Pröhl für den Naturschutz. Beide sind aktive Mitglieder im Naturschutzbund (NABU) und setzen sich für die Erhaltung von Lebensräumen bedrohter Arten ein. Als sich 1998 die Möglichkeit bot, die bereits Firma Naturschutzbearf Strobel zu übernehmen, haben die beiden Schmöllner nicht lange gezögert und ihr Hobby zum Beruf gemacht.

Naturschützer aus Leidenschaft

Naturschützer von Berufswegen - Familie Pröhl

In der leerstehenden Scheune eines Bauernhofs im Ortsteil Kummer haben sie Werkstatt und Lagerräume eingerichtet. An der Fassade des Fachwerkgebäudes hängen 80 Schwalbennester und 30 verschiedene Nistkästen für Turmfalken, Dohlen und Fledermäuse. „Die meisten davon werden dankbar angenommen. Das zeigt doch, dass der Bedarf da ist und dringend etwas getan werden muss. Gerade bei der Mehlschwalbe findet man immer weniger natürliche Nester“, spricht Torsten Pröhl aus Erfahrung.

Vom Tierschutz zum eigenen Unternehmen

Gemeinsam mit seiner Frau stellt er die Naturschutzprodukte aus Holzbeton her. Die Grundmasse besteht aus Zement und Sägespänen. Mit speziellen Rüttelmaschinen werden die Kästen gegossen. Die Trocknungsphase dauert je nach Witterung, Temperatur und Luftfeuchtigkeit zwischen drei Tagen und mehreren Wochen. Anschließend erfolgt die Montage von Zusatzteilen wie Türen oder Henkeln und es werden Löcher und Einflugschlitze hineingestanzt.

Über 35 verschiedene Artikel sind inzwischen im Angebot. Einige davon haben Kathrin und Torsten Pröhl patentieren lassen. Die Palette reicht von künstlichen Nestern und Nistkästen für Sing- und Greifvögel bis hin zu Behausungen für Insekten und Kleinsäuger. Kleinstes Produkt ist die Ohrwurmschale mit einen Durchmesser von acht Zentimetern. 70 Kilogramm wiegt der Wanderfalkenkasten, der fast einen Meter hoch ist.

Lager mit Fledermauskästen

Nistplätze für Fledermäuse

Die Lagerbestände sind je nach Artikel sehr unterschiedlich und der Bedarf hat sich im Laufe der Jahre verändert. In den 1990er-Jahren gab es einen regelrechten Mauersegler-Boom, begründet durch die Sanierung der Plattenbausiedlungen, die inzwischen weitestgehend abgeschlossen sind.
Zurzeit sind Fledermauskästen sehr gefragt. 16 verschiedene Behausungen für die flatternden, nachtaktiven Geschöpfe sind derzeit im Angebot. Die Palette reicht von Rund- und Flachkästen bis hin zu Schlafsteinen und Dachgesims- und Giebelröhren.

Sehr speziell sind Produkte wie Wasseramselnistkasten, Baumläuferschale oder Eisvogelröhre, die nur selten geordert werden. Je nach Bedarf kommt ab und zu ein Artikel hinzu, wie der Nistkasten für Haselmäuse. „Damit wollen wir eine vom Naturschutzbund gestartete Kampagne unterstützen. Ansonsten sind unsere Produkte keine Modeerscheinung, sondern naturschutzrelevante Anfertigungen“, betont Kathrin Pröhl.

Zum Kundenstamm gehören Naturschutzvereine, Kommunen, Forstämter, Kirchgemeinden, aber auch Garten- und Landschaftsbetriebe und Bauunternehmen in ganz Deutschland, Tschechien und der Slowakei. „Die meisten kaufen die künstlichen Behausungen, um Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Natur vorzunehmen, der durch Bauprojekte vorgenommen wurde“, so Torsten Pröhl. Der passionierte Naturschützer, der in seiner Freizeit oft mit der Kamera unterwegs ist, appelliert an alle Hausbesitzer und Bauherren, Sanierungsmaßnahmen mit Bedacht vorzunehmen.

Ilka Jost

Steckbrief:

Naturschutzbedarf Strobel
Fachhandel und -beratung
Inhaber: Kathrin und Torsten Pröhl
Nitzschkaer Str. 9
04626 Schmölln OT Kummer

Internet: www.naturschutzbedarf-strobel.de

Das könnte Dich auch interessieren:

Schreibe einen Kommentar

XHTML: Diese Tags kannst Du benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

 

Diese Webseite verwendet Cookies

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie geben Einwilligung zu unseren Cookies, wenn Sie unsere Webseite weiterhin nutzen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Konfigurieren Ablehnen Alle Cookies akzeptieren