Test Fein Multimaster Top Plus

Mit freudiger Erwartung öffnete ich den Karton von handwerker-versand.de. Der Koffer macht einen sehr stabilen Eindruck. Der Multimaster selber ist formschlüssig verpackt, sodass nichts verrutschen kann. Was mir persönlich immer sehr wichtig ist: Genug Platz für das Kabel. Nichts ist schlimmer, als wenn man gefühlte Minuten braucht, um das Kabel wieder in die Kiste zu stopfen.

Fein MultiMaster Set Top Plus

Fein MultiMaster Set Top Plus

Aber hier kein Problem, durch das hochwertige Gummikabel und genügend Platz zwischen Maschine und Deckel lässt sich das Kabel in großen Schlaufen schnell verstauen. Der Multimaster wirkt auf den ersten Eindruck sehr massig, das fällt aber später beim Arbeiten gar nicht mehr so auf. Er liegt gut in der Hand, die gummierten Bereiche sorgen auch für sicheren Halt. Der Spachtel und die Sägemesser liegen in Kunststofffolie eingeschweißt im Koffer. Sieht auf den ersten Blick sehr billig aus, sagt aber natürlich nichts über die Qualität der Werkzeuge aus. Zu dem restlichen Zubehör komme ich später noch.

Erster Test: Restfugen entfernen

Im Bad galt es, Restfugen zu entfernen. Das Grobe hatte ich schon per Hand entfernt, die Kanten nun sauber mit dem Multimaster. Durch das Segmentsägeblatt kommt man in jede Ecke, ich hätte mir die Fräsleistung etwas besser vorgestellt, aber dafür arbeitet das Werkzeug sehr sauber. Vor Allem wird kein Staub in die Luft geblasen.

Restfugen entfernen

Restfugen entfernen

Nun geht’s an`s Holz

Wie in verschieden Berichten schon gelesen, soll für manche Heimwerker-Kollegen der Multimaster schon die Stichsäge abgelöst haben. Ungläubig nahm ich mir das Holzsägeblatt zur Hand. Ich spannte eine 4x6er Latte auf den Tisch und fing an, einen Ausschnitt herauszutrennen. Das ging nicht lange gut, denn bei Schnitten in Faserrichtung wird die Vibration des Werkzeugs sehr stark an das Werkstück weitergegeben, wodurch sich die Schraubzwinge irgendwann löst. Kleines Brett in die linke Hand und Säge in der Rechten, wie man es bei Grobschnitten mit der Stichsäge oft macht, sind also nicht so einfach möglich. Eingespannt im Schraubstock ging es dann aber umso besser.

Holzschnitt

Holzschnitt

Egal, ob Fichte, Buche, MDF, Spanplatte oder Hartholz, die Säge frisst sich mehr oder weniger überall durch. Das Sägen mit dem Multimaster macht für mich allerdings nur für Spezialarbeiten Sinn: Ausbrüche sägen oder Schnitte in sehr beengten Räumen.

Holzschnitt mit dem Multimaster

Holzschnitt mit dem Multimaster

Meine Stichsäge würde ich deshalb erstmal lieber behalten, insbesondere, wenn man die Kosten für die Sägeblätter mal vergleicht. Eine ähnliche Erkenntnis habe ich schon mal beim Dremel gezogen: feine, genaue Schnitte auf engem Raum wirklich klasse zu meistern, aber wenn es um Meter geht, macht der Dremel keinen Sinn mehr.

 

Schnitte in Kunststoff

In einem Fiat Ducato sollte ein Radio in die Konsole eingebaut werden, allerdings war der DIN-Schacht bereits belegt. Kurzerhand nahmen wir den Schacht, wo ein Ablagefach, Münzhalter und der Warnblinkerschalter verbaut waren. Es gab nur ein Problem: die Höhe des Schachtes war zu gering, um einen DIN-Radio-Schacht hineinzuschieben. Oben und unten mussten ca. 6 mm Kunststoffsteg weggeschnitten werden. Hier spielte der Multimaster seine Vorzüge aus. Mit den Sägeblättern lässt sich sehr genau und sauber arbeiten, die Späne und die Erwärmung des Kunststoffes halten sich in Grenzen. Selbst als zum Schluss noch 1mm fehlte, konnte dieser sauber weggeschnitten werden.

Kunststoffschnitt ist auch kein Problem

Kunststoffschnitt ist auch kein Problem

Wand abschleifen

Im Badezimmer wollte ich neue Binderfarbe streichen. Allerdings wurde vor Jahren direkt auf den Rigips Latexfarbe gestrichen. Voller Zuversicht hoffte ich, mit dem Multimaster die Latexfarbe fast vollständig runterschleifen zu können, um einen besseren Halt für die Neue zu bekommen. Allerdings wehrt sich so eine Latexfarbe mit Händen und Füßen, außer einem leichten Anschleifen der alten Farbe war nicht mehr möglich. Das lag aber nicht an dem Multimaster, sondern an der Tatsache, dass Latexfarbe sofort die Schleifblätter verklebt und nach einigen Sekunden dicke Kugeln bildet. Also gab ich mein Vorhaben auf, die Farbe vollständig zu entfernen und gab mich mit einem Anschliff zufrieden. Und da hat mich sofort die Absaugvorrichtung begeistert. Es dauert zwar zunächst etwas, bis man alles zusammengebastelt hat, und für seinen Staubsauger den richtigen Adapter aus dem Koffer gekramt hat, dann allerdings kann das Arbeiten schöner nicht sein. Durch die gute Abdichtung zwischen Sauganschluss und dem großen Schleifteller saugt sich die Maschine regelrecht an Decke und Wand fest. Das recht hohe Maschinengewicht spielt jetzt keine Rolle mehr, man muss nur noch den Multimaster mit einer Hand leicht führen, und mit der anderen Hand den Schlauch und das Kabel. Lange Schleifarbeiten über Kopf sind somit kein Problem.

Schleifarbeiten über Kopf

Schleifarbeiten über Kopf

 

Schrank abschleifen

Da ich durch das Wandschleifen sowieso alles schon parat stehen hatte, habe ich noch gleich den Badezimmerschrank aus Fichte abgeschliffen. Dieser hatte auf der Oberseite schon einige Flecken und die Oberfläche war auch recht rau. Feines Schleifblatt drauf, Sauger an, und los.

Schleifarbeiten über Kopf

Schleifarbeiten über Kopf

Hier zeigte sich, dass die Absaugung schon fast zu gut war. Auf planer Fläche saugte sich die Schleifplatte so fest, dass man sie nur durch seitliches Abziehen von der Schrankoberfläche bekam. Hier ist es wohl sinnvoller, mit ein bisschen Nebenluft zu arbeiten. Aber das Ergebnis war perfekt. Innerhalb von wenigen Sekunden war die Fläche glatt UND vor allem staubfrei. Ich wollte ja schließlich nicht den Feinstaub in der Wohnung haben.

Silikonfugen entfernen

Mit dem Spachtelaufsatz wollte ich versuchen, alte Silikonfugen im Bad zu entfernen. Hierfür ist der Multimaster meiner Meinung nach ungeeignet. Der Spachtel wird sehr schnell stumpf, wenn man aus Versehen in Fliesenkleberreste gerät. Außerdem ist die Gefahr groß, schwarze Streifen auf den Fliesen zu hinterlassen, wenn zu lange auf einer Stelle gearbeitet wird. Hier haben sich einfache Skalpelle für 4€ viel besser bewährt.

Fazit

Kurz gesagt: Erst skeptisch, dann überrascht und dann schon fast verliebt in diese Multifunktions-Maschine. Ob es nun unbedingt der Fein Multimaster sein muss, oder etwas im mittleren bzw. unteren Preissegment, muss sich jeder selbst überlegen. Für einen Heimwerker sind 330€ für dieses Set schon eine ordentliche Investition. Aber dafür bekommt der Käufer allerdings eine Maschine, die robust gebaut ist und ein Heimwerkerleben wohl durchhalten kann.

Vielen Dank an handwerker-versand für die Möglichkeit, diese Maschine zu testen.

Alexander Dohm

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2 Kommentare »

 
  • Dominik sagt:

    Der MultiMaster von Fein ist schon ein tolles Gerät, irgendwann werde ich ihn mir ebenfalls gönnen.

  • Einen so guten Bericht über die Maschine konnte ich im Internet nirgends finden. Sehr schön erklärt, was mich dazu bringt, sie mir selbst zu kaufen.

    Ich gucke nun schon seit Längerem nach einer guten Maschine und die ist mir direkt ins Auge gefallen. 330 EUR sind auch nicht teuer, wenn es um ein wirklich tadelloses Gerät geht.

    Dankeschön!

 

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