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Aus Honig wird Wein: Selbstgemachten Met im Weinballon herstellen

Sie können ihn schon riechen, den fruchtigen, vollmundigen Wein, den Sie Ihren Gästen demnächst präsentieren? Doch diesmal nicht aus dem Supermarkt oder Weinfachgeschäft, sondern höchstselbst hergestellt. So schwer kann das nicht sein, denken Sie sich, immerhin gibt es Weinballons & Co. mittlerweile auch für Hobbywinzer. Ehe Sie Ihre Euphorie verlieren, sollten Sie sich zunächst an einem Einsteigerwein versuchen. Sehr gut geeignet für Anfänger ist Honigwein.

Lohn für Hobbywinzer: köstlicher selbstgemachter Honigwein

Hintergrundwissen

Das Grundprinzip der alkoholischen Gärung ist recht simpel. Alkoholgärung ist nichts anderes, als ein biochemischer Abbauprozess, bei welchem Kohlenhydrate (v. a. Zucker) unter Sauerstoffausschluss zu Ethanol, also Trinkalkohol, umgewandelt werden. Man spricht daher auch von Ethanol-Gärung.

Unterschiedliche Hefearten benutzen die Alkoholgärung zur Gewinnung von Energie. Dies geschieht auf zweierlei Arten: Sofern Sauerstoff verfügbar ist, bauen sie Zucker durch Zellatmung ab. Ist kein Sauerstoff verfügbar, betreiben die Hefen alkoholische Gärung, um Energie zu gewinnen – diesen Umstand macht man sich bei der Weinherstellung zunutze.

Zusammengefasst entsteht Wein also durch Hefe-Gärung aus einer zuckerhaltigen Flüssigkeit. In der Regel ist dies Fruchtsaft, im Falle des Mets jedoch Honig.

Grundausstattung zur Weinherstellung:

Achtung! Der ausgewählte Ballon muss um einiges größer sein (mindestens 10 bis 15 Prozent mehr Raum), als die Menge, die eingefüllt wird. Für 10 l Honigwein ist ein Weinballon von 15 l Fassungsvermögen ideal.

Nötig für 10 l Met sind 3,5 kg Honig.

Einkaufsliste für 10l Honigwein

  • 3,5 kg Honig
  • 0,5 l naturtrüber Apfelsaft
  • 7 l Wasser (geeignet ist stilles Wasser oder normales Trinkwasser)
  • 10 g Weizenmehl
  • 30-40 g Milchsäure 80%ig
  • 5 Tabletten Hefenährsalz
  • Reinzuchthefe (auch in Flüssigform erhältlich, empfehlenswert: Portweinhefe)

Hefepilze mögen es zimmerwarm

Etwa 3 bis 5 Tage bevor Sie mit dem eigentlichen Ansetzen des Mets beginnen können, wird das Anlegen einer Kultur mit Reinzuchthefe nötig. Reinzuchthefe sorgt dafür, dass die Gärung schneller in Gang kommt. Der Reinzuchthefeansatz lässt sich am besten in einer kleinen Flasche ansetzen, die mit einem Wattebausch verschlossen wird. So bleiben Insekten fern und der entstehende Druck kann bei Bedarf weichen. Die Reinzuchthefe (empfehlenswert ist Porteinweinhefe) wird in einem halben Liter Apfelsaft vermehrt.  Dass der Ansatz fertig ist, erkennen Sie an der Schaumbildung.

Wussten Sie, dass ….

… es beim Ansetzen von klassischen Weinen aus Obst möglich ist, eine Spontangärung abzuwarten? Nachteil dieser klassischen Methode ist jedoch, dass beim Garprozess eine Reihe unerwünschter Nebenprodukte entsteht. Harmonischer im Geschmack sind zudem mit Reinzuchthefe angesetzte Weine.

Auf den Standort kommt es an – Hefezellen sterben ab 28 Grad, deswegen dürfen die Kultur und der komplette Ansatz nicht wärmer als 28 Grad stehen. Auch Temperaturschwankungen sollten vermieden werden. Am besten ist Zimmertemperatur (18-25 Grad), je kälter der komplette Weinansatz steht, desto länger dauert der Gärvorgang.

Und los geht es: Met ansetzen

Weinballon mit Korb

Praktisch sind Weinballons, die über einen mitgelieferten Kunststoffkorb als Bruchschutz verfügen.

7 l Wasser und 3,5 kg Honig werden zunächst in einem großen Topf zusammen gegossen, mit einem Holzlöffel verrührt und zwischen 40 und 50 Grad erwärmt. Der Honig muss dabei gut feinflüssig werden. Anschließend wird die fertige Mischung auf mindestens 25 Grad abgekühlt (besser noch kühler).

Anschließend geben Sie 5 Tabletten Hefenährsalz, 30-40 g 80%ige Milchsäure und 10 g Weizenmehl in die Honig-Wasser-Mischung. Ganz zum Schluss, wenn Sie sicher sind, dass die Flüssigkeit unter 25 Grad misst (und damit hefeunschädllich ist), geben Sie die Reinkultur (Wir erinnern uns: einen fertigen Ansatz erkennt man an der Schaumbildung) hinzu.

Die fertige Mischung wird nun in den Weinballon gefüllt. Zum Schluss wird der Ballon mit einem Gäraufsatz verschlossen. Dieser dient als Keimfilter und lässt zudem entstehende Kohlensäure entweichen.
Zu Beginn (innerhalb der ersten 3-4 Tage) und gegen Ende der Gärung wird der Weinballon einmal täglich geschwenkt. Der Standort der Metmischung wird, wenn möglich, nicht mehr verändert. Günstig ist es generell, die gefüllten Weinballons nicht zu dunkel und bei Zimmertemperatur zu lagern. Bei warmen, jedoch niemals über 28 Grad liegenden Temperaturen (Hefezellen sterben!) können Sie sich bereits nach 3-4 Wochen Met schmecken lassen. Ob der Honigwein fertig ist, testen Sie ganz einfach: indem Sie regelmäßig kosten ;-). Profis verwenden eine Oechslewaage.

Fast fertig: Verfeinerung & Schönarbeiten

Sobald die Gärung abgeschlossen ist, stellten Sie den Weinballon kühl, damit sich der Wein klären kann. Nachdem der Standort verändert worden ist, sollte der Ballon jedoch möglichst nicht noch einmal umgesetzt werden – der Weinabsatz würde sonst erneut aufgewirbelt werden. Wenn gewünscht, kann der Wein mit Kieselöl klarer gemacht (geschönt) werden.

Mit einem Weinheber (einem schlauchartigen Gegenstand mit angefügten Plastikstück) kann der Wein schließlich vorsichtig – ohne den Absatz aufzuwirbeln – aus dem Ballon in Flaschen gefüllt werden.

Tipps: Tauchen Sie den Weinheber nur gering ein und ziehen Sie den Wein Stück für Stück ab, so wird bei einem versehentlichen Aufwirbeln des Satzes nicht die ganze Flüssigkeit durchsiebt. Passiert es, dass der Satz aufgewirbelt wird, warten Sie 1 Tag, bis sich die Flüssigkeit wieder gesetzt hat.

Möglich ist auch, den Wein zunächst in einen weiteren Ballon umzufüllen (vorsichtig abziehen) und so den kompletten Satz am Boden des Gärballons zurückzulassen.

Für Feinschmecker: Bei Bedarf kann der fertige Wein mit Honig nachgesüßt werden. Der Wein darf allerdings nicht mehr gären und muss nach dem Süßen kühl gelagert werden. Man verwendet 20 bis 50 g Honig je Liter Wein. Es ist empfehlenswert, immer 10-g-weise nachzusüßen und abschmecken.

Fertig ist er, der erste selbstgemachte Honigwein. Zeit, Ihre Gäste zur ersten Weinverkostung zu laden.

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3 Kommentare »

 
  • 3000 sagt:

    Da ich selbst ja durch meinen Musikgeschmack durchaus auch dem geschmack des Met’s verfallen bin, ist es gar keine schlechte Idee ihn sich einfach selbst zu machen! Ich muss mir das nur mal durch den Kopf gehen lassen, was die Menge, sowie die entstehenden Kosten angeht. Klar ist selbstgemacht immer besser, aber trotzdem. Danke für dieses schönen Artikel, damit lässt sich etwas anfangen, was ich definitiv mal Probieren werde ^^… Klingt ja doch sehr einfach 😉

    Gruß
    Ben

  • nine8one sagt:

    Ich stelle schon seit einige Jahren selber Met in unterschiedlichsten Rezepturen her. Ich habe bisweilen IMMER auf die Zugabe chemischer Mittelchen und Milchsäuren verzichtet um es so authentisch ie möglich zu halten. Es hat immer bestens funktioniert, super geschmeckt und war auch so stets lange haltbar etc. Allerdings ist mir noch nie ein Rezept untergekommen in dem „Weizenmehl“ benötigt wird. Wozu soll es im Met dienlich sein? Denn geschmacklich dürfte sich da nicht viel tun auf 10 l Met? Danke für evt. Erklärungen.
    Hail the Gods
    981er

  • TimoAb sagt:

    Ich muss zugeben, dass mir das Thema und generell das Getränk Met bzw. Honigwein noch sehr fremd war. Durchaus hatte ich gehört wie Freunde von Met kaufen und Honigwein verkosten berichteten, ich selber kam da nie so an das „älteste“ alkoholische Getränk heran. Aber vor kurzem waren wir auch Schweiz Urlaub und haben in einem Naturkostlasen wie man bei uns sagt feine Honigweine probiert. Die Auswahl im Met Shop war sagenhaft und die Beratung hervorragend. Und beim Durchtesten ist mir eigentlich das Honigwein mit dem sortenreinen Honig am liebsten gewesen. Wahrscheinlich weil einfach die Honigsorte einfach noch klar geschmacklich erkennbar war, und nicht einfach nur süß schmeckte. ich glaube, dass ich eher auf der Seite des Met kaufen als auf der Seite des Met Herstellen stehe, aber ich freue mich über die Experimente meiner Nachbarn, die sind nämlich begeisterte Imker … und seid sie wissen, dass ich das Getränk mag, kommen sie öfter rüber zu uns mit einer Flasche Honigwein.

 

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